Zehn Jahre.
— Verfahren.
Ein Kind.
Am 6. Mai 2016 wurde Finn geboren. Seit Sonntag, dem 10. April 2022, hat er seinen Vater nicht mehr gesehen. Dazwischen liegen — gerichtliche Verfahren, — Dokumente und — Seiten Akte. Diese Chronik legt sie offen — datiert, belegt, nachprüfbar.
Den Verlauf ansehen Akteneinsicht
Jedes Element stammt aus einem Dokument mit belegbarem Datum. Es wird nichts geschätzt und nichts rekonstruiert. Der Name und die Anschrift der Kindsmutter sind entfernt; von den Geburtsdaten der Eltern steht nur noch das Jahr.
„Was hat der Vater getan, dass er sein Kind nicht mehr sehen darf?“
Diese Frage stellt sich jeder in den ersten Sekunden. Und sie trägt eine Unterstellung in sich: Ohne Grund nimmt man einem Vater doch nicht sein Kind weg.
Die Akte beantwortet sie — und die Antwort ist unbequem. In zehn Jahren steht in keinem Schriftstück ein Vorwurf, der das Kind betrifft. Kein Bericht über einen Umgang, bei dem es Finn schlecht ging. Stattdessen steht dort etwas anderes: Der Vater hat nicht lockergelassen. Er hat nachgehakt, Fehler benannt und sich mit jeder Stelle angelegt, die seiner Meinung nach ihre Arbeit nicht machte. Das war unbequem. Und ab dem Moment ging es nicht mehr um Vater und Sohn, sondern um ihn.
Wie aus einem Vater ein Fall wird
Sechs Stationen, die wieder am Anfang ankommen. Die Bahn ist ein Bild — was an jeder Station steht, ist ein wörtliches Zitat aus der Akte oder eine gezählte Zahl. Fahren Sie über eine Nummer.
Die Gegenprobe
Zwei gezählte Reihen auf einer Achse. Je mehr geschrieben wurde, desto weniger Zeit blieb dem Kind mit seinem Vater. Wichtig und deshalb hier gesagt: Der Bestand weist nicht aus, wer die einzelnen Schriftstücke verfasst hat — gezählt sind Anträge, Stellungnahmen und Beschwerden beider Seiten. Die Umgangsanteile stammen aus der geführten Umgangsaufstellung.
Was Sie im Archiv trotzdem finden werden
Diese Chronik wäre nichts wert, wenn sie genau die Auslassung beginge, die sie den Akten vorwirft. Drei Vorgänge, die gegen den Vater sprechen oder so gelesen werden können — mit Aktenzeichen, Ausgang und dem Teil, der unbequem ist.
Der Verlauf
Oben die Ereignisse, darunter die Verfahren, die zuständigen Personen, der Schriftverkehr und die Zeit, die das Kind bei seinem Vater verbringen durfte. Fahren Sie über die Fläche — klicken öffnet das Dokument.
Das Kind
Was zehn Jahre Verfahren mit einem Jungen machen — und wie viel Zeit ihm mit seinem Vater blieb.
Zeit beim Vater
Anteil der Jahresstunden, die Finn bei seinem Vater verbrachte. Quelle: geführte Umgangsaufstellung 2016–2023, ab 2024 durch den Aussetzungsbeschluss auf null.
Der Weg nach unten
Belegte Stationen. Die Linie im Zeitstrahl verbindet sie — sie ist eine Einordnung dieser Ereignisse, keine Messung.
Ach ja — der Vater.
Über das Kind wird in jeder Akte geschrieben. Über den Mann, der die Verfahren führt, in keiner. Dabei ist er derselbe, der die Anträge schreibt, den Unterhalt zahlt und morgens zum Vorstellungsgespräch fährt. Dieser Abschnitt zeigt, was zehn Jahre daraus gemacht haben.
Aufstieg und Fall eines ganz normalen Vaters
In der Mitte die Erwerbslage — belegt aus Arbeitsverträgen, Projekten und den Unterlagen zur heutigen Lage. Zwischen den festen Jahren liegt jedes Mal Freelance-Arbeit: gut in den Monaten mit Auftrag, über das Jahr gerechnet selten kostendeckend. Darüber die Lebensfreude: eine gekennzeichnete Einordnung der belegten Ereignisse, keine Messung. Die beiden Linien fallen nicht zufällig gleichzeitig. Ganz unten jede Prüfung, die er abgelegt hat. Punkte mit gestricheltem Rand nennt der Lebenslauf ohne Datum — das Jahr ist dort eigene Angabe; wo nur ein Jahr bekannt ist, steht der Punkt in der Jahresmitte.
Auf schmalen Bildschirmen lässt sich die Kurve seitlich schieben.
Was er sich aufgebaut hat
Alle Prüfungen und Zertifikatskurse aus dem Lebenslauf (Stand 2024) und aus drei Bescheinigungen, die im Original vorliegen. Die Reihenfolge sagt mehr als jede einzelne Zeile: bis 2021 lernt er für den Beruf, ab 2021 für das Verfahren um sein Kind.
Bewerbungen
Gezählt aus dem eigenen Postfach ab 2019 — dem Jahr, in dem der Rechner neu aufgesetzt wurde. Eine Bewerbung zählt, wenn sie als Schreiben im Postausgang liegt oder wenn eine Eingangsbestätigung dafür eingegangen ist. Doppelte Vorgänge sind entfernt.
Und was zurückkam
Absagen sind Mails, die eine Bewerbung ausdrücklich beenden. Der Rest ist das, was kein Mensch beantwortet hat.
Vorher
Was da war, bevor es weg war. Stationen aus Lebenslauf, Verträgen und Akte.
Nachher
Was blieb. Die Begründung der Trennung im Jahr 2022 ist die eigene Wiedergabe eines mündlichen Gesprächs — alles Übrige ist belegt.
Kein Antrag, kein Beschluss und kein Bericht in diesen zehn Jahren hat je gefragt, wie es dem Vater dabei geht.
Die Zahlen
Was zehn Jahre Familienrecht in Aktenmetern bedeuten — und was passiert, wenn ein Vater um Hilfe schreibt.
Geschrieben — und was zurückkam
Wie viele Schreiben an diese Stelle gingen und auf wie viele überhaupt eine Rückmeldung folgte. Gezählt wird der formale Eingang einer Antwort — nicht, ob sie inhaltlich weiterhalf. Grundlage: Postfach dirk@vatersorgen.de, Postausgang vollständig ab 04/2025.
Was das gekostet hat
Diese Karte ist eine Berechnung nach den gesetzlichen Gebührentabellen — kein Kontoauszug. Sie sagt nicht, was gezahlt, gestundet, niedergeschlagen oder erlassen wurde; sie zeigt, was ein Verfahren dieses Zuschnitts nach dem Gesetz kostet. Gebühren nach Anlage 2 FamGKG und Anlage 2 RVG in der jeweils geltenden Fassung, Sachverständige nach JVEG Honorargruppe M 3. Wo der Bestand nur Anhaltspunkte hergibt, steht eine Spanne. In sechs von 32 Verfahren hat das Gericht Verfahrenskostenhilfe bewilligt — fünf davon ratenfrei. Die Bedürftigkeit war damit gerichtlich festgestellt. In 26 weiteren Verfahren gab es sie trotzdem nicht.
Was er gezahlt hat
Kindesunterhalt seit Finns Geburt, lückenlos. Gerechnet als Mindestunterhalt nach § 1612a BGB und der Mindestunterhaltsverordnung, abzüglich des halben Kindergeldes nach § 1612b Abs. 1 Nr. 1 BGB — in den Sätzen des jeweiligen Jahres. Das ist die gesetzliche Untergrenze; tituliert oder gezahlt kann mehr worden sein.
Dokumente pro Jahr
Nach Art des Schriftstücks. 2022 ist das Jahr des Bruchs.
Gegenstand der Verfahren
Worum vor Gericht gestritten wurde, nach Anzahl der Verfahren.
Die Suche nach einem Anwalt
Für den Verhandlungstermin am 29.07.2026 brauchte es eine anwaltliche Vertretung.
In achtzehn Tagen. Für einen Termin, bei dem es um fünf Minuten Trikotübergabe ging.
Die Personen
Wer für diesen Fall zuständig war — und wie oft gewechselt wurde. Jede Spanne ist durch Schriftverkehr belegt. Für ein Kind heißt jeder Wechsel: noch einmal Vertrauen fassen, noch einmal enttäuscht werden.
Die Verfahren
Chronologisch nummeriert nach dem ersten datierten Dokument. Aktenzeichen und Gericht stammen aus den Schriftstücken selbst.
Das Archiv
Volltextsuche über den gesamten Aktenbestand.
Akte einsehen
Der vollständige Aktenbestand steht zur Einsicht offen — für Rechtsschutz und Versicherung, für Anwältinnen und Anwälte, für Behörden und Gerichte, für Fachstellen und für Redaktionen. Die Chronik ist maschinell aus den Originaldokumenten erzeugt; jede Angabe lässt sich auf ein datiertes Schriftstück zurückführen.
Was belegt ist
Datum, Aktenzeichen, Gericht und Art jedes Dokuments stammen aus dem Schriftstück selbst. 528 Dokumente tragen ein belegtes Datum.
Was nicht gezeigt wird
Name und Anschrift der Kindsmutter sind aus Titeln, Volltext und PDFs entfernt; von den Geburtsdaten der Eltern bleibt nur das Jahr. Orte, Gerichte, Aktenzeichen und Amtsträger bleiben benannt.